#0zapfits im Bundestag!

Wie man sich eindrucksvoll vollkommen vor der (informierten) Öffentlichkeit blamiert zeigte heute die CDU/CSU Fraktion im deutschen Bundestag. Anlass war die aktuelle Stunde des Bundestages zur Staatstrojaner-Affäre die schon seit etwa 10 Tagen in Deutschland ausgebrochen ist. Besonders hervorgetan hat sich Dr. Hans-Peter Uhl mit seinem Beitrag, in dem er nicht nur das Internet als so gefährlich darstellte, dass man darin umkäme, wenn Vater Staat nicht hilft, sondern auch bekannt gab, dass Deutschland „nicht von Chaoten und Piraten reagiert wird, sondern von guten Sicherheitspolitikern“. Sehr schön! Dann hätten wir das ja geklärt, Deutschland ist also besser in den Händen von Politikern aufgehoben, die Grundrechtsverletzungen für nicht so schlimm halten, waren ja nur Einzelfälle, kann schon mal passieren, nicht so schlimm, passt schon.

Erschreckend! Die einzigen Abgeordneten die positiv durch Sachverstand (oder zumindest Quellenkenntnis) aufgefallen sind waren Konstantin von Notz, Volker Beck (beide Grüne) und Jimmy Schulz (FDP), Jimmy Schulz durfte ich auch schon persönlich kennenlernen, er ist zwar ein marktradikaler Politiker, aber immerhin hat er Ahnung von seinen Themen :)

Aber nichts desto Trotz, 3 von 600+ Abgeordnete sind keine besonders gute Quote, auch wenn der Bundestag bei der aktuellen Stunde nicht mal zu ein Viertel gefüllt war, hilft also alles nicht, muss ich wohl selbst in den Bundestag einziehen 😉

UPDATE: Hier noch das Video der guten Rede von Jimmy Schulz 

Wie man eine Fraktionssitzung streamt

Am 18.9.2011 passierte etwas, das niemand von uns wirklich erwartet hat, die Piraten wurden in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt und das gleich mit 15 Abgeordneten, also der kompletten Landesliste. Natürlich sollten die ersten Fraktionssitzungen auch gestreamt werden, bei der zu erwarteten Zuhöhrerzahl keine leichte Aufgabe.

Da die erste Fraktionssitzung recht spontan war, blieb leider keine Zeit für eine ordentlich Vorbereitung, der Stream kam erst von @rka’s iPhone auf meinen Icecast, dieser brach dann zusammen, dann probierte ich livestream.com, dass ging, aber leider nur für wenige Zuschauer, also war das Ergebnis eher unbefriedigend.

Für die zweite Fraktionssitzung habe ich dann die Idee gehabt den Stream auf mehrere Relay-Server zu packen, die dann, möglichst intelligent, von den Clients angesprochen werden. Die Lösung sieht wie folgt aus:

  • Ich streame aus dem AGH auf den Master Server der auf einem vServer bei server4you liegt.
  • An diesem Masterserver hängen 13 Relayserver, die alle von Freiwilligen aus den Masse der Piraten betrieben werden.
  • Die Relayserver nehmen alle Streams des Masterservers an und relayen sie, dass heißt sie melden sich am Icecast-Master an und kriegen als Relay priorisiert den Stream
  • Ein Django-Addon läuft auf dem Server der Fraktion, natürlich in einem Django und wird mit allen Servern gefüttert. Bei der Installation ist zu beachten, dass beim aktuellen Download Package eine __init__.py Datei fehlt und zwar in icecast_balancer/management, ich danke @andyen für seine Hilfe.
  • Das Addon fragt jede Minute über einen Cronjob die Icecast Relays ab, auf diesen liegt im Icecast Webroot eine xsl Datei, die anzeigt wie viele freie Slots der Stream noch hat.
  • Der Django Server verteilt dann über ein HTTP 302 (Redirect) die Clients auf die Server die am meisten freie Slots haben und beachtet dabei auch über GeoIP den Standort der Clients und der Server.
  • Auf dem Server der Piratenfraktion liegt eine .m3u Datei, die einfach nur den Link zum Icecast Balancer enthält. Dies ist einfach nur gemacht um einen leicht zu merkenden Link zu haben, der sich nicht ändert.

Damit können wir im Moment, dank der großartigen Hilfe der Relayserver-Betreiber, etwa 2.000 Leute mit einen Audiostream versorgen. Nächster Halt ist dann die Unterstützung von Video.

Update: Da die Frage nach der Audiotechnik kam: Ich kriege den Ton direkt aus einem Mischpult des Videostreams, der Ton wird von der Diskussionsanlage des AGHs abgenommen, dafür gibt es einen Presseausgang. Die Diskussionsanlage besteht aus Richtmikrofonen mit einem Schalter der sie anschaltet, es geht immer nur ein Mikrofon an.

Der Server ist für den Masterserver ein vServer von server4you.de die Relays sind wild gemischt.

Bei Fragen ruhig melden.

Ihr seid #Grüne Spießer!

Grünen sind keine Alternative. Für mich waren es sie nie. Die Grünen stehen für mich seit einigen Jahren, eigentlich seit ihrer Beteiligung an der Regierung von Gerhard Schröder, für eine ekelhafte Politik der Anpassung und dem nach dem Mundredens. Die Grünen verraten eigene Ideale, in dem sie Kriege zustimmen, Antiterror Gesetze mitbestimmen oder auch mal, wie in Hamm geschehen, Fracking zustimmen.

Liebe Grüne, ihr wart mal die Leute, die es „total cool“ fanden über ihrer „total alternativen“ Kneipe zu wohnen, heute beschwert ihr euch über den Lärm und fordert Sperrstunden, früher habt ihr in jeder Kneipe gekifft, heute kommt im Programm zur Berliner Wahl das Wort Hanf nicht vor, früher habt ihr offen über die Zukunft der Partei diskutiert, heute wählt ihr mit Renate Künast eine Spitzenkandidatin, die offenbar so unbeliebt ist, dass mehrere Mitglieder der Grünen offen dazu auffordern die Grünen nicht zu wählen. Ihr schreibt (und das geht mir als Netzpolitiker gehörig auf den Sack) ein Netzpolitisches/eGovernment/OpenData Programm, dass offenbar von Leuten geschrieben wurde, die es grade mal schaffen sich einen Blog bei WordPress zu klicken, aber weder den Sachverstand noch die Ideen für ein innovatives Programm zu haben scheinen.

Ich möchte in einer solchen Partei, wie die Grünen heute sind, keine Politik machen. Ich will keine 120 Seiten Programm haben, die so gehaltvoll sind wie der Inhalt meiner Biotonne und gekonnt den Ist-Zustand beschreiben ohne neue Ideen zu haben. Da bin ich lieber bei den Piraten, wir schaffen es wenigstens offen über neue Ideen zu diskutieren, das mag nicht immer nach dem großen Zusammenhalt aussehen, aber wenigstens ist es ehrlich, auch wenn es lange dauert.

Liebe Grüne, wir wollen nicht „resozialisiert“ werden oder in die „Bürgerliche Mitte“ gezogen werden, wir wollen da bleiben wo wir sind, sonst werden wir noch wie ihr.

Warum #aCAMPada Berlin Blödsinn ist

„ECHTE DEMOKRATIE JETZT!“ – „EMPÖRT EUCH!“ Das schreien sie auf dem Alexanderplatz, es geht um die große Revolution, man möchte, wie in Spanien, gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und so weiter auf die Straße gehen. Gute Idee, nur leider gibt es da ein Problem: Das Problem existiert nicht. In Sachen Korruption ist Deutschland weit vor Spanien, sie ist quasi nicht vorhanden und wird gut verfolgt, es gibt sie, klar, aber das Ausmaß ist so gering, dass es sich dafür nicht lohnt auf die Straße zu gehen. Auch die (Jugend)-Arbeitslosigkeit mag in Spanien ein Problem sein (ca. 40%) in Deutschland (ca. 10%) ist sie das nicht, es ist nicht schön, dass 10% der Jugend auf der Straße sitzen, aber es ist auch, für mich, kein Grund solche Töne zu spucken.

„EMPÖRT EUCH!“ – Aber über was?

Natürlich kann man sich empören, über Studienbedingungen, über Gentrifizierung, über die fehlgeleitete Wohnungsbaupolitik und so weiter, aber was bringt das? Die Ganze Nummer auf dem Alexanderplatz, inklusive Musik, Artisten und Gauklern (kein Scherz) hat mit Politik sicher so viel zu tun wie der Circus Roncalli, nur das er eben auf dem Alexanderplatz statt findet. Statt seine Zeit damit zu verschwenden auf dem Alex bei einem Jogi-Tee und einer Gesprächskerze über die Politik zu lästern sollten die Protagonisten lieber mal darüber nachdenken wie sie wirklich was verändern können.

Revolution? Evolution!

Statt laut nach einer Weltrevolution zu rufen und zu hoffen das dadurch ein paar Leute zum Steinewerfen, selber will man ja wohl nicht, vorbeikommen sollten die Organisatoren mal anfangen echte Politik zu machen. Nicht laut rufen „Jemand müsste mal die Gentrifizierung stoppen“ sondern selber Vorschläge machen wie das gehen soll. Wer kein Bock mehr auf das System hat und darauf wie unsere Gesellschaft ist und glaubt mir so geht es mir auch, sollte anfangen sie selbst zu ändern. Politik? Machen wir jetzt selbst!

Was? Kein DSL?

CC BY SA Jeremiah Ro
CC BY SA Jeremiah Ro

Der ISP Vodafone hat angekündigt in Zukunft auf Festnetz-DSL zu verzichten und statt dessen auf LTE setzen zu wollen. Eine nachvollziehbare Entscheidung, war DSL doch nie dazu gedacht gewesen das Internet in das 21. Jahrhundert zu führen. DSL war als „Brückentechnologie“ gedacht. Für eine Zeit, in der es noch Haushalte mit Kupferanschluss gibt und noch nicht alle Haushalte einen Glasfaseranschluss haben, auch die älteren Hausanschlüssen sollten Breitband-Internet bekommen, bis sie dann irgendwann auf Glasfaser, also Fiber-to-the-Home oder kurz FTTH, umgestellt werden.

Leider ist Deutschland immer noch weit davon entfernt FTTH auch nur ansatzweise flächendeckend einzuführen, man setzt lieber auf eine veraltete Technik und alte Kabel um keine großen Investitionen in neue Fasern leisten zu müssen. Andere Länder sind da weit voraus, Süd Korea und Japan haben FTTH bereits seit langem, in beiden Ländern zeigt sich, dass dadurch neue Anwendungen möglich wurden und dadurch auch neue Geschäftsfelder erschlossen wurden. Wenn ich mit deutschen Bundestagsabgeordneten über das Thema spreche wird oft gesagt, dass Süd Korea ja auch keine echte Demokratie sei oder dass man da einfach auf Staatskosten diese Kabel verlegen würde, aber eigentlich sollten doch die ISPs das in Deutschland machen. Und tuen sie es? Nein, natürlich nicht. Das Geld ist nicht da, es lässt sich mit den üblichen Flatrates auch nicht verdienen und der Staat wartet ab, anstatt selber den Ausbau der Kabelgebundenen Netze voran zu treiben. Vor der Privatisierung des Telefonnetzes gab es im Wirtschaftsministerium eine Stelle, die sich um den Netzausbau kümmerte, leider wurde diese aufgelöst, als aus der Bundespost die Telekom wurde und die Telekom hat leider weder ein Interesse noch einen Staatsauftrag für den Ausbau und die Modernisierung der Netze.

Auch netzpolitik.org berichtet über diese Strategieentscheidung von Vodafone und ist natürlich sehr kritisch, der Autor Linus Neumann argumentiert mit den physikalischen Grenzen der Technologie, der drohenden, weiteren Eindampfung der Netzneutralität und mit der höheren Strahlenbelastung. Aua! Also bitte, wenn man gegen die Abschaffung des Festnetzes ist, bitte, gerne, aber dann doch auch mit echten Argumenten. LTE funkt im selben Frequenzspektrum wie UMTS und mit ähnlichen Sendeleistungen, dies ist also ein Scheinargument. Was ein Argument ist, ist die geringe Skalierbarkeit, LTE ist nicht dafür gedacht auch noch die Haushalte anzubinden. Es wurde eben dafür gemacht Mobiltelefone und mobile Computer schnell an das Netz anzubinden um die krüppeligen 3G Netze zu entlasten. Auch das Problem mit der Netzneutralität ist natürlich eines, denn Mobilfunknetze sind eben keine Netze in denen Sender und Empfänger gleichberechtigt sind.

Normalerweise sollten im Internet alle Computer gleichberechtigt senden und empfangen können, ich sollte also auf meinem Computer zu Hause einen Dienst für die ganze Welt anbieten können und jeder andere soll das auch können. Mit der heutigen DSL-Technologie ist das zwar möglich, aber dafür gedacht ist sie auch nicht. Wir haben asymetrische Anschlüsse, ich empfange also schneller als das ich sende, auch nicht das gelbe vom Ei, dass Problem von Mobilfunktechnologien ist aber, dass es mir überhaupt nicht möglich ist als Server im Internet zu fungieren. Die Technik verhindert das.

Als Vodafone ist es allerdings nur verständlich aus DSL auszusteigen. Die Technik ist veraltet und teuer (Die Leitungen müssen von der Telekom gemietet werden), außerdem ist man selber auch nur Kunde bei der Telekom und hat fast keinen Einfluss auf die Weiterentwicklung der Technik. LTE hingegen betreibt Vodafone selbst, die Kosten sind dadurch geringer und man muss kein teueres Fremdpersonal bei Fehlern bezahlen und kann einen besseren Kundenservice bieten, dass sich da ein paar Kunden vielleicht darüber ärgern, dass sie keine eigenen Dienste mehr laufen lassen können nimmt man da in Kauf, denn das sind sicher unter 1% der Kunden.

Statt sich jetzt darüber aufzuregen, dass es bei Vodafone kein DSL mehr geben soll, sollten wir uns darüber so aufragen, dass es in Deutschland überhaupt so etwas wie DSL gibt. Wir sind ein verdammtes Hochtechnologieland, wir haben besseres verdient! Wir müssen für echtes Breitband und eine Netzpolitik mit Sachverstand kämpfen und nicht über die Strahlungswerte von Mobilfunk reden, das bringt niemanden weiter, außer vielleicht das Geschäftsmodell von Telekom, Vodafone, Alice und Co.

Re-enabling Lion’s full disc encryption after cloning your hard drive

You may wonder why this blog post is written in english but I thought this topic could be important to know for every Mac user who installed Lion shortly.

I installed Lion on my MacBook Pro right after it was released by Apple and enabled full disc encryption right after the installation of Lion. Everything worked just fine, my beloved Xcode needed a little reinstall but that was done after an hour or so. One day later I installed my new OCZ Vertex III SSD into my MacBook Pro and cloned the hard drive to the SSD using SuperDuper, it worked just fine. After a while I tried to enable full disc encryption but every time I tried to enable it the computer said: „NO“ because „some partitions types do not support the needed recovery partitions“ the suggestion was to reinstall my system on a new formatted hard drive, well thanks but no, thanks. I just cloned my 200GB system to a new one which took me 4 hours, so this wasn’t an option.

After awhile I had an idea: The Lion installer does create this recovery partition when upgrading a snow leopard installation but when I cloned my drives this recovery partition gets lost so why not try to rerun the installer? Sounds easy but you need to know a little trick to do so: If you try to just download Lion again on a Lion system the Mac App Store won’t let you do this because its already being installed on your system. You need to do a search for Lion and Option-Click in the Mac OS X Lion link in the App Store and then Option-Click on the buy-button. This will download Lion to your Mac as it did on Snow Leopard. After this you can start the installation progress once again an let it „Re-Install“ Mac OS X on your hard drive, this will keep your personal data and applications and your hard drive will get the needed recovery partition for full disc encryption. The only trade back: You need to re-install every system extension, like voices, and you need to re-run the Xcode installer for Lion to make the cli commands available again.

#bpt11 Nachlese

So nun ist er vorbei und wie mehrfach angekündigt, hatte ich mich als Versammlungsleiter gemeldet und wurde auch angenommen, ein paar Punkt würde ich gerne im Nachhinein noch anmerken:

  • Die Orga war super! Am Anfang gab es ein paar Unstimmigkeiten mit dem Netzwerk, diese konnten aber schnell gelöst werden, ansonsten war ich sehr zufrieden. Die Kommunikation mit der Technik hat gut geklappt und wir wurden auch, wenn es auch eigentlich erst nicht eingeplant war (warum auch immer) gut versorgt.
  • Nachtreten gehört sich nicht! Bis zur Wahl hin kann man sich ja hart duellieren, danach ist aber auch gut und man muss mit dem Ergebnis arbeiten können. Sonst ist vorbei.
  • Piraten lernen langsam sich zu benehmen, es war bei Weitem nicht so chaotisch wie auf Parteitagen vorher, aber ausbuhen eines OB, weil er Piratinnen sagt geht trotzdem nicht!
  • Das ist kein Chaos Congress! Bei den massiven Angriffen auf das interne Netzwerk und Server, die mir berichtet wurden, muss man sich langsam echt fragen ob man dem Plenum noch ein Netzwerk einrichten soll, es wird ja offensichtlich auch stark missbraucht.

Falls jemand noch (konstruktive) Kritik an meinem Versammlungsleiterstil anbringen will, in den Kommentaren ist der Platz dafür.

7 Punkte zur Erreichung der Weltherrschaft #piraten

Da ich mich auf dem Bundesparteitag in Bings – hä – Heidenheim als Versammlungsleiter bewerbe und zu einem gut vorbereiteten Team gehöre kann ich vor Ort natürlich keine Meinung über Kandidaten oder Anträge äußern oder zumindest muss ich mich da stark einschränken. Da manche vielleicht aber meine Meinung hören wollen präsentiere ich hier meinen 10 Punkte Plan zur Erlangung der Weltherrschaft von Bundestagsmandaten (Die Kandidaten die das als BuVo umsetzen wollen werden von mir gewählt werden)

  1. Verstärkung der Präsenz im „echten Leben“: Da wir bis 2012/13 (Beginn Bundestagswahlkampf) wohl nicht direkt mitbestimmen können müssen wir wohl erst mal wie Lobbyisten auf (wichtige) Menschen zu gehen. Das heißt Klinken putzen, Kontakte knüpfen, sich bei Bundes- und Landesparlamenten blicken lassen und so weiter.
  2. Pressearbeit professionalisieren: So manches mal wurde es schon versucht und immer wieder ist es gescheitert, entweder weil Persönlichkeiten aufeinander prallten oder weil keine Zeit da war. Die Pressearbeit muss auf eine andere Ebene! Unser Presseteam muss im politischen Berlin und in den Ländern bekannt und ansprechbar sein und nicht nur auf Anrufe von der SZ warten und ab und zu mal ne Pressemitteilung über Themen von gestern veröffentlichen. Diese Arbeit gehört bezahlt, denn erst dann wird sie wohl auch gemacht werden. Wenn das mit der Satzung nicht geht, dann brauchen wir ne andere Satzung.
  3. Die Piraten Kampagnenfähig machen: Es braucht Initiativen aus dem Bundesvorstand, Themen müssen proaktiv angegangen werden, Aktionen vorbereitet werden und vorbereitet werden,Notfalls auch über einen längeren Zeitraum. Beispiel Zensus: Jetzt etwas zu machen bringt nichts, es hätte vor Monaten eine Aktion ausgehen müssen, wenn es eine AG nicht macht, dann muss der Vorstand es anstoßen und zwar massiv.
  4. Politischer werden: Die Piraten sind vor allem eins: Eine Partei. Wir sind kein Hackerclub und auch kein Swingerclub, keine Freundesbörse und kein Kegelclub. Natürlich lernt man über die Arbeit bei den Piraten nette Leute kenne, viele von ihnen möchte ich nicht mehr missen, aber auch hier muss man zwischen Piraten und Freundschaft trennen können, ich werde jedem meine Meinung sagen und das auch ohne Rücksicht darauf ob er sich dann angegriffen fühlt. Kuscheln ist zu Eighties (lacht)
  5. Klare Ansprechpartner benennen: Um kampagnenfähig zu werden müssen die Piraten Sprecher benennen und zwar nicht auf Parteitagen sondern durch den Vorstand. Klar brauchen wir niemanden der über Außenpolitik redet, aber wir brauchen Menschen die das Vertrauen des Vorstands haben und selbstverantwortlich ein Thema beackern und da für die Piraten reden dürfen, also zum Beispiel einen Sprecher für Netzpolitik, einen für Datenschutz und einen für Bürgerrechte. Wäre ja schon mal ein Anfang.
  6. Profis werden: Die Zeiten der Wahlkämpfe mit dem naiven Charme der Anfangsjahre ist vorbei. Wir brauchen professionelle Ausrüstung und Planung von Wahlkämpfen. Keine selbstgekauften Tapeziertische mit eilig angebrachter Fahne mehr, das wirkt nämlich einfach nur unprofessionell. Auch wenn jetzt manche sagen „Dann werden wir ja wie die anderen!!!1!!“, ja stimmt werden wir, müssen wir auch, sonst bleiben wir eine Randerscheinung wie die Tirschutzpartei oder die PBC.
  7. Politik macht man nicht aus Hintertupfingen: Es mag ja sehr schön sein in der Pfalz oder in Oberbayern, aber Politik, grade Netzpolitik, wird in Deutschland vor allem in Berlin gemacht. Wir brauchen dort ein schlagkräftiges Team, dass für einen funktionierenden Vorstand arbeitet und wir brauchen Vorstände, die bereit sind durch die Republik zu reisen und sich mindestens zwei mal im Monat auch im politischen Berlin blicken zu lassen. Dafür braucht es Geld, klar, aber das haben wir ja langsam und das muss es uns wohl wert sein.

Nach diesen Kriterien werde ich wählen und bewerten, dabei zählt für mich nicht das, was im alten BuVo gelaufen ist, der war so Fail, es kann nur besser werden, ich sehe es, ehrlich gesagt, als Vorteil an wenn ein Kandidat diesem BuVo angehörte, die 6 haben bewiesen, dass sie einiges wegstecken können, aber ich habe auch nichts gegen einen anderen Kandidaten wenn er den oberen Punkten zustimmen kann.

Braucht die Jugend Schutz? #jmstvcamp

Heute fand das JMStV-Camp im Unperfekthaus in Essen statt. Ein von mehreren Parteien und Organisationen organisiertes und finanziertes BarCamp über den JMStV. Auch ich habe auf dem BarCamp einen Vortrag, bzw. eine Diskussion mit dem etwas provokanten Titel „Braucht die Jugend Schutz?“ geleitet.

Im Nachhinein war der Titel allerdings gar nicht so provokant, auch wenn der Talk angenehm voll war. Meine These war und ist, dass wir Kinder eh nicht vor allem im Netz schützen, genau so wie wir Kinder nicht vor allen Sachen offline schützen können. Ich erklärte noch mal warum Blacklists (und Whitelists) eigentlich nicht funktionieren, genau so wie kein anderer Filter perfekt ist. Es sei denn man will die chinesische Lösung. Die Konservativen wollen, meiner Ansicht nach, eine Permission Culture einführen: Man würde die Mitglieder einer Gesellschaft bevormunden und probieren vor sich selbst zu schützen, ein Menschenbild, dass ich nicht habe. Ich denke, dass man Kindern & Jugendlichen alles erklären kann, sei es wenn sie mit 7 ins elterlichen Schlafzimmer platzen oder im Internet irgendwelchen Porn erblicken. Wichtig ist, dass die Kinder sich trauen zu ihren Eltern/Lehrern oä. zu gehen und darüber zu reden. Dieses geht natürlich nur wenn es keine Tabus gibt und das Kind keine Angst haben muss dafür Ärger zu bekommen.

In der Diskussion kam noch von @alios der Gedanke auf, dass es im Internet eigentlich schon eine Popkultur rund um das Thema Porn gibt, sei es Rule 34 oder „The Internet is for porn!“. Er fragte ob man von diesem Umgang mit Porn wieder in die Mehrheitsgesellschaft zurücktragen kann. Auch wurde kontrovers darüber diskutiert ob man Internet und TV getrennt von einander regeln sollte, unterschiedliche Regeln seien auch nicht zu vermitteln. Als Konsens konnten wir uns wohl darauf einigen, dass man den Eltern Richtlinien geben sollte und nicht auf Filter und starre Verbote setzen sollte.

Wer noch mehr dazu hören will kann sich das Piratencafe von heute anhören.

Foto CC-BY-SA von Benjamin Jopen (ist verlinkt auf flickr.com)

Data Awareness!

Die aktuelle Diskussion um das den Ort aufzeichnende iPhone zeigt es mal wieder: Die Deutschen™ habe Angst, Angst vor Daten! Nein, nicht Angst davor, dass der Staat ihre Kontotransaktionen beim Sexshop mitbekommt (SWIFT betrifft auch z.B. sofortüberweisung.de) oder, dass in einer deutschen Innenstadt ca. 10 Überwachungskamera auf 100m angebracht sind und niemand weiß wer sie betreibt, nein Angst hat der deutsche Michel vor den Daten die er vollkommen freiwillig und ohne Zwang in sein Handy tippt oder auf sein Facebook Profil postet. Wehe die Daten kennt jemand! „Filmt mich wenn ich mit meiner Affäre durch die Innenstadt laufe oder speichert wie ich ihr essbare Unterwäsche bei orion.de kaufe, aber wehe jemand liest bei Facebook was ich so mache!“, scheint so manch Durchschnittsdeutsche zu denken.

Es ist richtig, fast jedes moderne Gerät speichert Daten: Unser Smartphone speichert wo wir wann waren (Und das sicher auch Geräte die nicht von Apple sind), Kopierer speichern die Sachen die wir kopiert haben auch länger als wir denken und der Computer ist da ja eine wahre Datenschleuder, er speichert sogar wann wir auf welcher Website waren und sogar unsere privaten Fotos! Jetzt mag der geneigte Leser denken „Was soll der Mist, natürlich speichert mein Computer Dinge?“ aber genau darum geht es: Moderne Geräte haben einen Speicher und diesen nutzen sie! In fast jedem Gerät steckt ein kleiner Chip der beschreibbar ist oder eine Festplatte die man auslesen kann und von vielen weiß der mediengerechte Durchschnittsdeutsche mit Datenangst mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts! Fast niemand dürfte wissen, dass man aus modernen Druckern oder Kopiersystemen die letzten gedruckten Seiten ohne Probleme raus bekommt, fast niemand dürfte wissen, dass man fast jeden Standard Router fragen kann wer wann auf welcher Website war und so weiter. Die moderne Welt speichert. Punkt.

„Aber dagegen muss man doch was machen!“, schreit jetzt der Datenschützer, „Das geht doch nicht!“.  Doch natürlich geht das und es wird sich auch nicht ändern, da kann Peter Schaar (Bundesdatenschutzbeauftragter) noch so oft auf jeder Datenschutzpannen-Medienwelle mitreiten, die ihm angeboten wird. Auch die fantastischsten Datenschutzanhänger müssen einsehen, dass Datenschutz eben nicht mehr heißt: „Keine Sorge, Papa Staat sorgt schon dafür das du auch weiterhin allen Müll ohne Konsequenzen  in deine Maschinen tippen kannst.“ sondern das es vor allem heißt darüber aufzuklären, dass dies so ist und dass besagte Geräte eben einen Speicher haben. Ich frage mich schon seit Jahren warum Schülern im Informatikunterricht meistens nur Excel, Word, Powerpoint und Access beigebracht werden, aber eben nicht über gesellschaftliche und politische Folgen dieser Technik gesprochen wird. Es muss jedem Schüler, jedem Studenten und jeder Hausfrau einfach klar sein, dass jedes mal wenn sie etwas in eine Maschine eingibt dabei Daten entstehen und diese auch gespeichert werden können. Datenschutz heißt Aufklärung und nicht Verhinderung von Fortschritt!

Natürlich kann man diese ganze moderne Technik auch ablehnen, man kann alles nur noch in Bar bezahlen, kein Konto mit Onlinebanking führen, keine Tickets am Automaten kaufen, kein Telefon haben und auf Computer verzichten. Alles kein Problem, macht ihr nur, aber mit der Einstellung wären wir jetzt vermutlich immer noch eine kleine Horde aufrecht gehender Halbaffen, die sich von der Jagd ernähren, denn Industrialisierung erzeugt zu viele Daten und so.

Foto CC-BY-SA: Seth Anderson (von Flickr)