Für Idioten stets geöffnet

tl;dr: Die Piratinnen und Piraten müssen endlich politisch denken.

Die Zeiten sind wild, dass Meer rau, der alte stolze Viermaster… OK, lassen wir das, das steht ja eh überall. Die Piratenpartei hat ein Problem. Das Problem hat verschiedene Symptome: Nazis und Rechtsausleger werden toleriert, Feministen bekämpft, Mitglieder vergrault, Menschen auf Basis von Gerüchten nieder gemacht. Das alles passierte nur heute und noch 10 Sachen die nicht über Twitter liefen. Alles Symptome einer Krankheit: Unpolitische Denke.

Die Symptome (Nennen wir sie zusammengefasst Idiot*innen) haben wir uns nicht gestern beim unvorsichtigen Gang auf die Parteitagstoilette eingefangen oder bei der Party danach, nein diese haben wir langsam und beständig in die Partei eingearbeitet, quasi schon massiert. Eimerweise. Wie wir das getan haben? Ganz einfach: Wir (und damit schließe ich mich mit ein) haben nicht nachgedacht.

Wir haben Bodo Thiessen nicht rausgeworfen, wir haben Aaron König nicht direkt die Tür gezeigt, wir haben uns jahrelang als „Postgender“ titulieren lassen, wir haben rassistische, sexistische uä. Sprüche am Stammtisch nicht sofort einen Maulkorb gegeben, wir lassen Filter von freilaufenden Admins installieren und diskutieren dann noch mal 3 Tage das für und wieder gendergerechter Sprache und so vieles mehr. Dabei ist das Problem ganz klar: Solche Dinge senden Signale und im Zweifel an die falschen Menschen.

„Der Bodo wird nicht rausgeschmissen, na super dann darf ich da ja auch mitmachen…“ – Denkt sich der Antisemit von Nebenan. „Ach die sind Postgender, super, dann machen die sicher was gegen die Unterdrückung von Männern durch die Frauen!“ – Denkt sich der Maskulist von gegenüber und der Rechtspopulist von Drunter denkt: „Ah die erlauben Doppelmitgliedschaften und sind weder rechts, noch links, dann kann ich nebenbei noch bei ProNRW mitmachen“.

Natürlich ist das übertrieben, natürlich passiert das nicht direkt, aber genau das ist doch das Signal das wir mit solchen Nummern senden. Dabei wäre es so einfach das zu verhindern:

IN DEM MENSCH AUCH NUR EIN EINZIGES MAL POLITISCH DENKT!

Alles was man als Vorstand, Kreisvorsitzende’r, Crew-Gründe’r, Fahnenschwenker*in oder Schiesdrichter*in (ja auch die) macht ist politisch. Denn es steht ja immer in Zusammenhang mit einer Partei. Politisch denken, politisch sein, heißt eben, dass mensch sich auch überlegt welche Signale mensch an welche Leute sendet. Was ein Satz, ein Wort eben außerhalb der eignen Welt auch bedeuten kann und ob mein Handeln das ist was ich auch von dieser Gesellschaft will. Es heißt eben nicht jede Entscheidung nur aus wissenschaftlicher Sicht abzuwägen und eine neutrale Betrachtung zu machen sondern auch diese Entscheidung an den eigenen Idealen zu messen.

Und diese „Piratenpartei“ ist eine politische Partei! Das ist für viele ja anscheinend etwas komplett neues, aber eine Partei ist dafür da EINER GRUPPE Menschen zu MACHT zu verhelfen, um IHRE sachlichen und ideellen ZIELE durchzusetzen (Die wichtigsten Wörter sind groß geschrieben).

Eine Partei hat eine MEINUNG eine HALTUNG zu Dingen und ist nicht neutral, sie muss eben nicht jedem ein Sprachrohr sein und alles wollen. Partei heißt Macht erlangen zu wollen und diese auch behalten wollen, nicht nur auch mal in der Zeitung stehen. Die ständige Verneinung von Machtstreben, das ständige „es allen recht machen wollen“ und die Ablehnung von der eignen Rolle als Partei sind das eigentliche Problem. An diesem geht die Partei kaputt.

Wer nicht politisch seien will und Macht ablehnt sollte schleunigst aus einer Partei austreten und in eine Interessenvertretung eintreten, es gibt ja genug davon, verteilt euch gleichmäßig.

16 Responses to “Für Idioten stets geöffnet”

  1. Herzmut

    In allen Punkten volle Zustimmung, bis auf ein Detail.

    Am Anfang hast du geschrieben, Menschen würden auf Basis von Gerüchten niedergemacht. Am Ende schreibst du, eine Partei sollte Macht erlangen wollen. Hier fehlt das Bindeglied, dass nämlich Mitglieder zur Erlangung von Macht den Einfluss anderer schmälern zu müssen glauben, indem sie Gerüchte über ihn in die Welt setzen. Die Art und Weise, wie eine Partei nach Macht strebt, sollte für die Piratenpartei eine andere sein; das zumindest hatte ich mit „Politik mal ander5“ verbunden. Doch es hat sich herausgestellt, dass es zwischen der Piratenpartei und den anderen Parteien nur einen Unterschied gibt: die Machtkämpfe, die sehr oft persönlich und seltener politisch sind, werden durch die Wahl der Waffen (typischerweise Twitter) transparent. Sonst grenzt sich die Piratenpartei in der Art, Politik zu machen, nicht gerade von den anderen Parteien ab – wie auch, wenn sie verspricht, „endlich ganz normale Menschen“ in die Parlamente zu bringen. Die erschreckende Erkenntnis aus dem Experiment ist, dass alle Politiker ganz normale Menschen sind, und dass sie nur „politikesisch“ sprechen, weil sie alle schon mal einen Shitstorm erlebt haben. Und dass die von uns, die aufwärts streben und Macht erlangen wollen, jetzt auch so werden. Doch dass wir alle schreckerfüllt über uns selbst aufwachen und über unsere Art, Politik zu machen, nachdenken – das scheint mir doch sehr unwahrscheinlich.

  2. Susanne bischoff

    Die ständige Verneinung von Machtstreben, das ständige “es allen recht machen wollen” und die Ablehnung von der eignen Rolle als Partei sind das eigentliche Problem. An diesem geht die Partei kaputt.

    Liebe Piraten

    Dies ist wieder mal ein gute Beispiel dafür, dass wir noch weit entfernt davon sind die von uns verlangte Transparenz und Inklusion in der Partei zu leben.

    Die Piratenpartei ist Dank unserer Transparenz Strukturen, der Spiegel einer nicht funktionierenden Gesellschaft.
    Aber auch hier überwiegt die positive Seite.
    In keiner Partei in Deutschland sind Minderheiten und Menschen aller Gesellschaftsschichten zu finden. Das gibt es nur bei uns.
    Wir leben offen aus, was in dieser Gesellschaft nicht funktioniert.
    Ganz klar werden wir von der Öffentlichkeit als die in sich zerstrittende Partei emfunden, weil der Bürger nun mal lieber eine heile Welt hat.
    Auch die meisten Piraten hätten wohl gerne eine heile Welt, aber Demokratie und Inklusion sind nun mal die größte Herausforderung, die wir uns gestellt haben.
    Wir müssen innerparteilich an diesen Dingen arbeiten, denn wenn das bei uns funktioniert, funktioniert das möglicher Weise auch in weiten Teilen der Bevölkerung.

    Nachdem es sich hier bei diesem Fall nun um eine kleine Gruppierung der PP geht nehme ich das jetzt mal als Beispiel für unsere eigene Intolleranz mit der wir manche Gruppen oder Menschen nicht aktzeptieren wollen oder können.

    Ja am Anfang waren wir alle nur Piraten, egal welches Geschlecht.
    Aber wir waren neu und haben uns nicht mit internen Problemen beschäftigt.
    Es ist völlig normal, dass egal was man neu anpackt sich mit der Zeit Fehler, Schwächen und Konflikte einstellen, ganz egal, ob in Firmen oder in Parteien das ist überall gleich.
    Jetzt beginnt der Abschnitt, Fehler zu beheben an Schwächen und Konflikten zu arbeiten um für all diese störenden Elemente zufriedenstellende Lösungen zu finden.
    Viele empfinden die Piratencon als Störfaktor ,aber warum ?
    Ich bin weder Feministin, noch kann ich wirklich nachvollziehen, warum viele Frauen so denken. Das liegt ganz einfach daran, dass ich nie Nachteile hatte ,sondern eher Vorteile ,weil ich eine Frau bin.
    Aber trotzdem aktzeptiere ich diese Gruppe und finde sie auch für die Partei wichtig, weil es viele Frauen gibt, die so denken , weil eben unsere Gesellschaft nicht so funktioniert, wie wir das gerne hätten.
    Gerade weil wir auch mit diesem Thema transparent umgehen, wird die ein oder andere Wählerin uns wählen, weil sie sich und ihre Meinung von dieser Gruppe vertreten fühlt

    Deshalb bitte ich alle immer wenn sie sich ärgern sich unsere Werte in Erinnerung zu bringen. Inklusion, Toleranz, Transparenz.

    LG Susanne Bischoff
    @moddestyblaise

  3. Das musste mal so deutlich gesagt werden!
    (für mein „Wohlgefühl“ würde ich das Wort – Macht – durch „Einfluss“ ersetzen, aber das ist nur mein persönliches Grauen vor allen Bedeutungen des Wortes – Macht – mächtig u. Ohnmacht)
    Ich unterschreibe deine Aussage trotzdem :-)

  4. Dan Black

    Moin,

    Das ist genau was ich schon länger über die Piraten denke. Eigentlich finde ich das Konzept einer jungen frischen Partei, die endlich mal die Großen herausforderd sehr gut, vor allem mit viel Potential. Der Grund warum ich nicht beigetreten bin? Zu wenig konkrete Ziele, zu breite Palette an Themen. Nicht das es bei den anderen Parteien nicht so ist, aber viele der Themen sind schon lange durchgekaut und müssen nicht erst gefestigt werden. Es wäre politisch klüger Hauptthemen zu finden, diese auszuarbeiten und sich dann an die nächsten zu wenden. Dauert länger, sichert aber auch politisches Überleben. Und unterscheidet Eintagsfliegen von Kandidaten mit Zukunft.
    Deswegen bin ich immerNOCH Sozialdemokrat. Mit klaren Themen uns zielen. Und bevor die Freibeuter selbst nicht wissen was sie wollen, wird das so bleiben. Aber ich hoffe das es kommt. Irgendwann. Und deshalb das ’noch‘.

  5. Kamikater

    Im groben: volle Zustimmung.
    Im Detail: tjo. In den Details verliert man sich. Beispiel Feminismus. Feministen werden „bekämpft“ schreibst Du.
    Richtig so! antworte ich.
    Konstruiertes Beispiel: irgendwer schreibt einen riesigen Beitrag zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Ein verdammt wichtiges Thema! Da brauchen wir eine feste Position, schließlich geht es um unsere Grundrechte.
    Aber dann kommt irgendwer an und brüllt rum, dass der Text nicht ausreichend gegendergendergendert sein und alle frauenfeindlich sind deswegen.
    Also wird über Feminismus, gendern, postgender und und und gequatscht, während man uns hinten herum die Privatsphäre aus der Tasche zieht.
    DA verliert die Piratenpartei!

    Immer mehr Leute haben von diesem Genderwahn die Schnauze voll. Nicht weil sie frauenfeindlich sind, sondern weil das Geschlecht in der Politik keine Rolle spielt.
    Sie wollen Politik machen. Da gibt es weit mehr Probleme als darüber zu reden, wie man diese Probleme politisch korrekt gendert.
    Feministen werden nicht „bekämpft“ sondern als störend und lästig empfunden.

    Und so kann man jedes Detail zerlegen. Wenn irgend ne Pappnase einen dummen Vergleich mit dem dritten Reich macht, ist es oftmals Dummheit. Stempelt man den jetzt deswegen gleich zum Nazi geht einerseits das Thema verloren und andererseits sind wir wieder bei Nazis – und schon kommen sie angerannt.
    So einer kriegt was hinter die Ohren, ihm wird gesagt, WARUM seine Äußerung bescheuert war und er draus lernen muss.
    Und dann weiter mit wichtigeren Themen.

    Lernt die Person nicht und äußert sich weiter rechtslastig: PAV.
    Politik ist wichtig. Meine volle Zustimmung. Im Moment verlieren sich die Piraten in sinnlosen Detailstreits.

  6. Rolf Schümer

    Hi, Plätzchen!
    Das sind genau die richtigen Punkte. Wir haben in unserer Urbanauten-Crew uns von Anfang an bemüht, ein klares politisches Konzept zu entwickeln. Grundgedanke war und ist, dass wir uns als politische Partei verstehen, die sich für die Interessen der Bürger einsetzt, denen durch Diskrimierungen, soziale Lage, fehlende Teilhabe an demokratischen Prozessen usw. die Wahrnehmung ihrer Bürgerrechte verwehrt ist. Um dabei besser unterscheiden zu können, was die Fragen sind, die viele oder nur wenige bewegen, machen wir seit November 2011 monatliche Infostände im Kiez. Jedesmal erreichen wir 250-300 Bürger und in den vielen Gesprächen und Diskussionen am Stand wurde klar: Problem Nr.1 in Berlin sind steigende Mieten, Verdrängung usw. Deshalb haben wir z.B. als politische Aktion eine Ferienwohnung besetzt. Als kiezspezifische Frage ging es um Verkehrsberuhigung. Hier haben wir für die Gründung einer Bürgerinitiative
    geworben, Bürgerversammlungen durchgeführt- inzwischen arbeitet die Bürgerinitiave auch ohne unsere Mitarbeit und wir wollen an anderer Stelle in Kreuzberg ein ähnliches Projekt realisieren. Durch diese Art der Arbeit ist unsere Crew kontinuierlich größer geworden, wenn es Streit gab, dann ging es um Inhalte, persönliche Anfeindungen, Mobbing usw. gab es bei uns bisher nicht. Bei genug politischer Denke kann man Antipathien oder Sympathien unterordnen. Innerparteilich sind wir dabei, eine Berliner Strategiekonferenz für Mitte Oktober vorzubereiten, melde dich mal ob du Zeit und Lust hast, bei der Vorbereitung mitzumachen.
    Du schreibst vom Ziel der Partei, Macht zu erringen. Das Wort Macht hat einen negativen Touch (z.B. durch Verhalten der etablierten Parteien, Hierarchien usw.). Ich würde es durch Einfluss ersetzen.
    Gruß, Rolf Schümer

  7. m3t4b0m4n

    Du hast noch das Nerd-Problem vergessen. In vielen Fällen wird ja gedacht, auch politisch, aber dann keine Entscheidung getroffen, weil man sich an vollkommen nebensächlichen Details verliert. Es wird solange über das wie diskutiert, bis das ob überhaupt keine Rolle mehr spielt. Der Effekt davon kann als „unpolitisch“ gesehen werden, ich sehe es eher als Nerdkrankheit von Leuten, die nicht pragmatisch Handeln können ala Big-Bang-Theory.

  8. Susanne bischoff

    Hi

    Teilanalyse, warum wir so schlecht geworden sind.

    Die Piraten haben vergessen, warum sie das eigentlich machen, nämlich für die ganze Gesellschaft.

    Leider machen sie jetzt nur noch Politik für sich.

    Heute ist mir das bei Twitter wieder besonders aufgefallen.

    auf allen LPTs die ich besucht habe, gings immer nur um den Ehrgeiz seine Anträge bei den Piraten durch zu bringen.

    In so einem unglaublich wichtigem Wahljahr hätten die Anträge fürs Wahlprogramm und für die Gesellschaft an erster Stelle stehen müssen.

    Fakt ist, Anträge interner Art wie Satzungsänderungen hätten bis nach der Wahl vertagt werden müssen.

    Die Bürger waren uns gut gesonnen, allerdings haben auch die begriffen, dass wir sie vergessen haben.

    Ich versuche das jetzt zu erklären.

    Wenn man in einem Raum eine komplizierte Anlage installieren will, ist die am Anfang ein Chaos verschiedener Kabel, die ,wenn man der Strom nicht abstellt und sie sich aus versehen berühren immer einen Kurzschluß veruhrsachen.

    Um ein positives Ergebniss zu bekommen, muß man den Strom abstellen, die Kabel so sortieren und geordnet installieren, damit dann der Erfolg da ist und die Anlage positiv funktioniert.

    So könnte das auch bei den Piraten funktionieren, wenn sie bereit wären sich wieder auf das zu konzentrieren warum sie gegründet wurden.

    Nämlich um eine andere gerechtere und freiere Gesellschaft langsam auf zu bauen und die Machenschaften verschiedener Institutionen auf zu decken , und sie so zur Transparenz zu zwingen.

    Das alles wurde schon lange vernachlässigt.

    Statt dessen, versuchten viele Kandidatenplätze zu bekommen, was viel wichtiger war und jetzt wo sie Kandidaten sind ,rennen sie blind vor Ehrgeiz zu Disskussionsrunden um sich zu presentieren, ganz egal ob sie mit dem Thema vertraut sind oder nicht.
    Dabei könnten sie aus dem Vollen schöpfen, da sich zu jedem Thema Spezialisten finden lassen, die dann tolle Faktische Aufklärungsarbeit hätten machen können.

    Solange dieser Kabelsalat wild funkenströmend über den Boden zischt, hat niemand das Vertrauen die Piraten zu wählen.

    Ist ja auch logisch, denn es braucht sehr viel Mut in einen Raum ein zu treten, wo funkenströmende Kabel sich unkrontoliert bewegen , sich dort dazwischen zu bewgen um an den Sicherungskasten zu kommen, um Ruhe rein zu bringen und die Kabel dann ruhig und sicher in die richtigen Steckdosen zu sortieren.

    So jetzt dürft ihr mich alle shitstormen.

    LG Susanne Bischoff
    @moddestyblaise

  9. „Wer nicht politisch seien will und Macht ablehnt sollte schleunigst aus einer Partei austreten und in eine Interessenvertretung eintreten, es gibt ja genug davon, verteilt euch gleichmäßig.“

    Ich verstehe nicht warum du diesen Satz ans Ende stellst, obwohl er aus meiner Sicht so wenig mit dem Rest zu tun hat.

    Auch das gleichsetzen von nicht politisch sein und Macht ablehnen macht keinen Sinn.

    Ich bin beispielsweise auch Mitglied und Kandidat der Piraten weil mir die Machtfrage als politisches Thema sehr wichtig ist. Ich möchte erreichen, dass die Machtkonzentration in der Politik abgebaut. Die Bestrebungen der Piraten zu mehr Transparenz und Partizipation sorgen für einen Abbau von Machtkonzentration.

    Die Frage nach der Macht ist meiner Meinung nach absolut politisch.

    Was du anfangs geschrieben hast, kann ich nur unterschreiben. Auch an dem „Nerd-Problem“ aus den Kommentaren ist durchaus etwas dran.

    • plaetzchen

      Die Umverteilung von Macht in der repräsentativen Demokratie kann man ja fordern, aber um das zu schaffen braucht es halt auch erst mal Macht 😉

      • Hummel

        Politisch zu denken bedeutet auch ,mir zu erklären wie eine Oppositionspartei mit optimistischen 5% Macht ausüben kann, wenn man nicht den Ruf genießt, Koalitionspartner einer wohlmeinenden Regierung sein zu können. Kann schlussfolgernd sein das keinerlei Strategie und eine entsprechende Wahl der Mittel vorliegt, wenn das alleinige Ziel Mandate sind? Liegt es vielleicht sogar daran das die Piratenpartei unpolitisch geworden ist oder war? Kann es sein das die Gesamtrechnung der Piratenpartei so schlicht nicht aufgehen kann?

      • Das ist wahr.
        Aber dann hast du dich aus meiner Sicht dort etwas missverständlich ausgedrückt. 😉

  10. Seewinde

    Mein Kommentar der mir in den Fingern wirklich juckt werde ich nicht schreiben weil ich weiss das das geschriebene Wort immer eine Wirkung entfaltet, die Wirkung von der ich möchte das sie entsteht würde nicht aus dem daher ungeschrieben bleibenden Kommentar entstehen.

    Ich möchte nämlich eigentlich ermutigen, trotz dem und allem und gerade deshalb. Das sich nun gehäuft Menchen aus Positionen zurückziehen die sie selbst doch haben wollten oder manches Mal auch nur aus Verlegenheit angenommen haben, das ist zwangsläufig so. Das ist deshalb zwangsläufig so, weil kein Parteivorstand Entwicklungen vorher bestimmt hat. Das Funktionärswesen blieb den Piraten erspart bisher…

    … und nun? Nun wird das Funktionärswesen einreissen – oder ist schon eingerissen – wobei ich doch glaube es ist noch nicht eingerissen. Basisdemokratie ist so viel schwerer als Funktionärswesen – aber es lohnt darum zu streiten. Wenn nur die Progressiven sich doch nur mehr nach vorne trauen würden hätten die Destruktiven nicht so oft die Schlagzeilen für sich. Wenn jemand mit wenig Selbstwert merkt „… Hey wenn ich gross genug die Backen aufblase bekomm ich Interviewanfragen und werde *berühmt* …“ dann würde in einer Funktionärspartei eine Parteiebene denjenigen zurechtstutzen, ausweisen den Mund verbieten, nach PAV rufen, und was weiss ich noch anstellen (… denkt mal daran wie die Sozen mit Typen wie Sarrazin umgehen). Bei den Piraten mit ihren flachen Strukturen bringen es diese aber zu Ruhm.

    Müssen also feste Hierarchien her? NEin, nein nochmal NEIN!. Es müssen die Instrumente die sich die Piraten erarbeitet haben eingesetzt werden. Es muss in Fleisch und Blut übergehen nicht Mumble anzuwerfen um seinen Frust loszuwerden und seine Ideen rauszutröten – es muss LQFB benutzt werden – es müssen SMV-Strukturen her. Der Schwarm entwickelt Intelligenz doch nur wenn er schwärmen kann. Die Instrumente müssen einfacher werden – angepasst an das Nutzerverhalten der Piraten – mir ist es ein Graus zu sehen wie technisch kümmerlich LQFB aussieht.

    Ok das kann so raus denk ich – das wertet nicht ab, das soll aufwerten, wenn ihr beim Lesen dennoch denkt was der nur will ist doch alles Bestens – o.k. das Bessere ist der Feind des Guten – ich denke da könnt ihr mir zustimmen.

  11. MrScoville

    Eigentlich hat „Kamikater“ oben schon sinngemäß gesagt, was ich zu diesem Thema auch denke. Im Gegensatz zu ihm finde ich zwar nicht, dass FeministInnen oder MaskulistInnen (ja, die gibt’s auch) „nerven“, aber es stimmt freilich, dass mit solchen Querschnittsthemen die eigentlichen politischen Fragen aus dem Fokus gedrängt werden.

    Der erste Schritt zur Lösung dieses Problems ist, es zunächst einmal als solches zu erkennen und auch laut zu benennen. In der Software-Entwicklung unterscheidet man Anforderungen und Querschnittsthemen. Die Anforderung könnte etwa lauten: „Wir lehnen die Voratsdatenspeicherung ab.“ Die Querschnittsthemen lauten dann: „Alle öffentlich erscheinenden Verlautbarungen, Anträge, Pressemeldungen, Blog-Posts etc. sind entlang der beschlossenen Richtlinien der PP zu gendern“, und „Alle… sind in einer leicht verständlichen Sprache zu formulieren; Fremdwörter sollten wo möglich vermieden werden,“ und „Alle… sind auf in links- oder rechtsextremen Kreisen als Schlüsselwörter verbreitete Formulierungen zu prüfen, ebenfalls auf solche Formulierungen, die von Außenstehenden mit diesen Kreisen in Verbindung gebracht werden; für solche Formulierungen ist neutraler Ersatz zu suchen.“ Und vielleicht noch weitere.

    Wenn dann ein Vorschlag fürs Wahlprogramm diskutiert wird, muss niemand „aber das ist nicht gegendert!“ rufen, weil klar ist, dass das im Verlauf bis zur Endfassung schon noch passieren wird. Und schon geht das Thema nicht mehr verloren.

    Im Moment betreiben wir, wie hier schon andere richtig gesagt haben, ganz furchtbar viel Nabelschau. Es sind aber immer wieder diese Querschnittsthemen: Fem, Mask, Fascho, Kommie.

    Eines aber scheinen viele neben all dem ab und zu zu vergessen: Es ist schlichtweg FALSCH zu glauben, dass eine tolerante Partei wie die PP auch VertreterInnen extremer Positionen verträgt. Die Partei ist kein Karton. Wir, die Mitglieder sind die Partei. Und je intoleranter wir Mitglieder sind, desto intoleranter wird die PP.

    Und noch ein Letztes: Toleranz heißt nicht stumm zu schlucken oder wegzuschauen. Toleranz heißt aber auch nicht Herumschreien, Shitstormen und Schmollen. Die Qualität einer Debatte wird nicht in Dezibel gemessen. „StreitKULTUR“ ist das Stichwort.

    -Sco
    @MrScoville

  12. Stimme völlig zu, dass klare Positionen auch innerhalb der Partei klar vertreten werden sollten. Trollen ist nunmal nicht tolerierbar und kein Stammtischscherz. Um unser Potential auszuschöpfen brauchen wir als Basis wertschätzende Kommunikation.
    In die peinliche Situation, dass erst durch Kritik von aussen das Fehlverhalten einzelner endlich als nicht mehr vertretbar erkannt wird, sollten wir möglichst nicht mehr kommen.
    @pegx_

Was denkst du?