Entwickeln für die 99%

Dies ist quasi eine Antwort auf diesen Artikel und auf einen Tweet von @SebJabusch

Ich bin Developer und arbeite inzwischen Vollzeit im Apps-Universum, zu 99% entwickele ich für iOS und ich liebe diesen Job. Ich denke nicht, dass Apples Entwickler Richtlinien „wie Alcatraz“ sind und eine Innovationsbremse, vor allem aber denke ich nicht, dass Android die Antwort darauf ist.

Aber eins nach dem Anderen. Warum fühle ich mich nicht beschnitten von den Richtlinien? Warum finde ich es nicht schlimm, dass ich nicht auf bestimmte API’s zugreifen darf? Weil es Sinn macht. So einfach. Die meisten der Richtlinien, mal abgesehen von der berühmt-berüchtigten „no-porn-rule“ haben etwas mit der Gerätesicherheit oder -stabilität zu tun. Es wird geschaut ob die App das Gerät nicht ständig zum crashen bringt, ob die HIG (Human Interface Guidelines) einigermaßen umgesetzt wurden und ob man nicht massiv seinen User ausspäht, außerdem noch so einiges mehr. Klar ist dieser Prozess nicht perfekt, klar wird manchmal zu viel durchgelassen, es soll vorkommen, dass man seltsame Ablehnungsbegründungen bekommt (Ist mir auch schon passiert), aber meistens kommt mit diesen dann auch ein „What to do next“ und eine guter Kontakt zum Support. Wie ich das finde? Nun ja es macht Arbeit, klar, aber ich denke sie ist sinnvoll und eigentlich sollten die Auflagen strenger sein. Die HIG gibt es aus einem Grund und leider gibt es auch viele Apps die trotz eklatanter Verstöße noch in den Store kommen, aber sei es drum.

Warum ist der AppStore nun eben keine Innovationsbremse sondern, in meinen Augen, eher ein Innovationsmotor? Als Entwickler ist der AppStore eine großartige Sache, man hat einen Punkt von dem aus man 250 Millionen Menschen erreichen kann, der iOS-User ist im Schnitt eher bereit Geld für Dinge auszugeben und so schafft man es  auch als kleiner Entwickler, mit der richtigen Idee, nicht nur Leute zu erreichen sondern auch davon leben zu können. Außerdem kann man Deals mit Großkunden absprechen und die iAds Lösung ist auch nicht schlecht, wenn auch in Deutschland noch etwas unterentwickelt. Natürlich kann man jetzt sagen, dass man eben, weil man keine Apps erlaubt die, sagen wir mal, im Homescreen eine blinkende Discokugel in den Hintergrund setzt, Innovationen verhindert, andererseits erlaubt dieses Sandboxing aber auch mir einigermaßen sicher zu gehen, dass die App nur das tut was sie auch sagt, was sie tut. Natürlich ist auch das nicht perfekt, bei manchen Sachen müsste iOS besser nachfragen, zum Beispiel Adressen und ähnliches, aber ich sehe es zumindest als einen guten Kompromiss an.

Warum also ist Android nicht die Antwort? Weil ich ein Telefon haben will das funktioniert, so einfach ist das, aber auch aus anderen Gründen. Als User halte ich Android nicht für die Antwort, weil es ein typischen OpenSource Rumgefrickel ist an vielen Stellen. Außerdem ist die Update Policy so was von für den Arsch, ich weiß nur eins immer sicher, ich habe nicht die aktuelle Version. Und wenn es ein Update gibt dann zerschiesst es mir, so hört man, gerne mal das Telefon, es macht einige Sachen wieder kaputt und so weiter. Natürlich gab es das bei iOS auch schon, aber nicht in diesem Ausmaß. Ein Betriebssystem für gefühlte 50+ Hersteller, die alle ihre eigene Update Policy haben und eine eigene grafische Oberfläche draufmachen, na herzlichen Glückwunsch!

Als Entwickler ist Android nicht die Antwort, weil der Market von Google und der Support einfach eine Katastrophe sind. In den Market darf jeder und es geht schnell, dass ist gut, aber es gibt keinen Support falls mal was nicht geht, da ist Apple besser, viel schlimmer ist aber, dass es mehr als einen Store gibt. Systemtheoretisch mag es total toll sein, dass es mehr als einen Verkäufer gibt, in der Praxis aber ist das eine Katastrophe. Wenn man verbreitet sein will sollte man in jedem der Stores vertreten sein, fast jeder der Store hat  eigene Bedingungen und viele auch eigene Verträge, man muss bei einem Tests nachweisen und bei dem anderen nicht und noch viel schlimmer: Updates. Man muss dafür sorgen, dass es in allen Stores auch ankommt. Super! Dafür kann man eine Person vermutlich Vollzeit anstellen.

Aber das größte Problem bei Android und dem Allem sind die User. Ja so hart muss man es sagen. Android User wollen kein Geld ausgeben, dass zeigen mehrere Studien und grade dadurch verhindern sie Innovationen. Warum gibt es denn so viele junge und innovative Indie-Games erst mal nur fürs iPhone? Weil Objective-C eine so leichte Sprache ist? Ich glaube nicht, Tim. Die Android Markets und der zu erwartende Gewinn sind ein Problem.

Und nun etwas für die Nerds: Kein mobiler Entwickler sollte sich nach euch richten. Ich weiß, klingt hart, ist aber so. Wenn man für Mobiltelefone Software schreibt entwickelt man für die 99% nicht-Nerds auf diesem Planeten. Die Software muss also nicht nur für Leute aus der IT bedienbar sein, sonder für meine und deine Mutter, das ist die Herausforderung. Klar kann man auf seinem Telefon eine Shell haben und lustige 3D Effekte beim verschieben der Bildschirme, aber das braucht kein Mensch! Niemand, der sich auf sein Handy verlassen muss und will, braucht so etwas, was diese Leute brauchen sind praktische und nützliche, schnell und einfach zu bedienende Utilities oder halt Unterhaltung als Spiel oä., alles was dazwischen fällt brauchen vll. nur die 1% Nerds und die sind leider kein wichtiger Markt.

6 Responses to “Entwickeln für die 99%”

  1. Ich mag nur eben auf die 99% abzielen. You’re wrong!
    Das mag im Moment vielleicht noch stimmen, aber wenn man sich anschaut was in den mittlerweile unzähligen MobbilTelephon-Foren los ist und worum es dort geht, dann mag es so sein, dass du bei den Apple-usern näher an den 99% dran bist, als bei den Android-usern, aber die Zahl derer, die nicht einfach nur ein funktionierendes Telefon, sondern ein haarklein konfiguriertes MbilOS haben wollen steigt rasant, weil es eben klar ist, dass es möglich ist.
    Hier zu sagen, das sind nur 1% die wir nicht benötigen ist ein Fehler. Ein Fehler der Apple Marktanteile kosten wird, zumal der Hippnessfaktor gerade auch davon schwimmt.
    Für die Entwickler ist das vermutlich egal, Apple-User zahlen für jeden Scheiß 😀

  2. Anthem

    Es ist auch inhaltlich Schmarrn. Wettbewerb in Form verschiedener Stores ist schlecht für den Markt? Jup, genausoschlecht für den Markt wie es die Zulassung von Nicht-Nokia-Geräten für den Mobilfunkmarkt war. Zwangsmonopole fördern nicht Innovation, sondern verhindern sie. Und genau das macht der Appstore im kleineren dann auch durch inhaltiche Policies (über die du dich im Artikel ausschweigst), indem auch Nicht-Porn-Apps entfernt werden, konkurrierende Apps gar nicht erst zugelassen werden, etc.

  3. Jonas

    Wieso ist Android typisches Open-Source gefrickel? Als normaler Nutzer hat man damit herzlich wenig zu tun. Das man die Geräte rooten und damit rumbasteln kann ist zu allererst für den normalen Endbenutzer nicht vorgesehen. Klar gibt es viele Individualisierungsmöglichkeiten, aber das ist sicher kein rumgefrickel…
    Die Vielzahl an Herstellern mit eigener Oberfläche kann man aber auch positiv sehen. Man hat die breite Auswahl und kann nehmen was einem zusagt. Dem einen gefällt HTC Sense besser, dem anderen wieder TouchWiz – da gibts keinen wirklichen Einheitsbrei. Und warum sollte ich keine 3D Effekte etc haben wollen wenn es möglich ist? Gerade iOS User waren von einigen Android Spielerein sehr angetan… Und eine gut aussehende Oberfläche muss nicht unpraktisch, langsam und nicht zu gebrauchen sein – was ist das denn für eine Herleitung?
    Klar ist die daraus resultierende Updatepolitik suboptimal, aber die meisten Hersteller ziehen mittlerweile nach und aktualisieren auch ältere Geräte, sofern es die Leistung zulässt. Und unter Android ist es auch nicht soooo tragisch das man nicht sofort die aktuellste Version hat, da 99% der Apps auf allen aktuell im Umlauf befindlichen Versionen rennen.
    Gibt es Updates, zerschießen sich Androiden deiner Aussage nach sehr gerne. Beispiele?
    Und ähm, mehrere Appstores sind eine Katastrophe? Das sehe ich nicht so, im Gegenteil würde ich es eher so einschätzen wie meine Vorredner. Ein Monopol hier kann mir vorschreiben, was ich auf meinem Gerät installieren darf und was nicht. Das hat man, wenn man auf Alternativen zurückgreifen kann, nicht. Hier ist ein Monopol eher eine Innovationsbremse als der User…
    Das Spiele etc erstmal nur für iOS erscheinen kehrt sich langsam auch um. Oder wo ist die Minecraft Version für iOS? Das man über den Market weniger Geld verdienen kann mag stimmen, allerdings gibts beispielsweise Angry Birds für Android für lau. Warum? Weil der Anbieter eine andere Möglichkeit gefunden hat auch an Android Nutzern über Werbung Geld zu verdienen.
    Android kommt immer mehr, das können sich Firmen sich nicht leisten zu ignorieren.

  4. Vorab möchte ich anmerken, dass ich Plätzchen sehr mag und schätze. Außerdem halte ich ihn für äußerst intelligent.
    Aber mal abgesehen davon, dass ich Apple nicht mag, hast Du hier zwei wichtige Punkte nicht berücksichtigt:
    1. Konkurrenz belebt das Geschäft und die Entwicklung. Somit ist es sehr wichtig, dass es nicht nur ein OS für Smartphones gibt.
    2. Open Source verleiht jedermann die Möglichkeit etwas zu entwickeln bzw. zu erfinden. Diese Vielfalt und uneingeschränkte Nutzbarkeit kann und wird so Entwicklungen hervorbringen die wir uns momentan noch nicht vorstellen können.
    Trotz meiner Abneigung gegenüber dem Apfel würde ich nicht sagen wollen, dass eines der OS – Smartphones vom Markt verschwinden soll. Außerdem kenne ich auch einige nicht Nerds die Android Handys haben.
    Und warte erst mal ab was da noch aus den anderen Ecken kommt. Ich habe Gestern den Test bzgl. des Nokia mit Windows gesehen und wie es scheint ist dies sehr einfach zu bedienen.
    Ich bin ja nun mal etwas älter als Du und habe schon einige Entwicklungen im IT Bereich mitbekommen – das kann sich alles ganz schnell ändern!
    LG

  5. Felix

    Am schwersten haben es die Apple-Menschen, die keine Fanboys sind, sondern von den brauchbaren Vorteilen z.B. von iOS überzeugt sind. Wir müssen uns ständig rechtfertigen, zum einen, weil es saublöde Fanboys gibt, zum anderen, weil es saublöde Hateboys gibt. Ich frage mich mittlerweile, was hipper ist, ein Apple-Gerät zu besitzen oder Apple-Besitzer runterzuputzen. Man kann es ja schon als Understatement werten, sich Apple zu kaufen, _weil_ man dafür angepöbelt wird.

    Ich begrüße die Konkurrenz, die ist immer gut. Doch für mich ist klar: Apple hat – mit einem anfangs gar nicht so tollen Produkt – den mobilen Medienspieler-Markt revolutioniert. Apple hat das erste brauchbare Smartphone rausgebracht und diesen Markt revolutioniert. Und Apple hat den Tabletmarkt aufgemischt und ebenfalls revolutioniert. Alles, was wir da heute an Konkurrenz sehen ist – bedauerlicherweise – zum großen Teil Kopie. Seltsamerweise ist gerade Microsoft standhaft genug, eine eigene Optik und Bedienung herzustellen. Bei Samsung-Geräten mit Android muss man manchmal schon verdutzt ein zweites mal hinsehen. Noch mal: Ich begrüße Konkurrenz. Ich akzeptiere auch Ähnlichkeiten, aber Kopien bringen uns nicht weiter.

    Als ich das i9000 meiner Freundin eingerichtet habe, kam mir genau dieser „Gefrickel“-Gedanke auch. Sie selbst sagte, nachdem sie vorher meinen iPod-Touch als quasi-PDA nutzte, dass es halt einfach nicht so simpel und intuitiv sei, wie ein iPhone. Und ein Freund hat mal gesagt: „Scheiß Handy. Naja: Haste keen iPhone, haste keen iPhone *lach*“ Noch ne Anekdote? Mein Vater hat meiner Mutter, beide mittlerweile 60, 4 Jahre in Folge einen mp3-Player zum Geburtstag geschenkt. Jedes mal, weil sie mit dem Vorgänger nicht klar kam. Der 4. war dann ein iPod-Touch. Seitdem ist sie zufrieden und glücklich damit. Dieses Jahr gibt’s wahrscheinlich ein iPad, weil der iPod-Bildschirm zum Die ZEIT-Lesen einfach zu klein ist 8o)

    Das sind alles Dinge aus der Realität, die viele Anti-Appler halt nicht wahrhaben wollen und mit Argumenten, wie „iPad hat ja noch nicht mal USB“ wegdiskutieren wollen. Ja, iPad hat kein USB, das ist schade, aber das, was es kann, kann es sehr gut und das ist der Großteil dessen, was man damit machen will.

  6. Alexander Bell

    Dein Beitrag hat einen kleinen Schönheitsfehler.

    Apps und Appstores hat es quasi in begrenztem Umfang schon vor iOS und Android gegeben.

    Java-Spiele wurden auch teilweise für 50 verschiedene (!) Handys gleichzeitig entwickelt.

    Es wurden auch teilweise Verträge mit Netzbetreibern und Handyhersteller über mitausgelieferte Spiele gemacht.

    Weiters hat es auch Rovio auch geschafft in abgeänderter Form Angry Birds auf Android-Geräten zu platzieren.

Was denkst du?